Wenn bei einem größeren Stromausfall auch Handynetz und Internet zusammenbrechen, entsteht das größte Chaos oft nicht zu Hause, sondern unterwegs. Eltern sind in der Arbeit, Kinder in Schule oder Kindergarten, Angehörige beim Arzt und niemand weiß, wer wohin fährt. Ein vorher vereinbarter Treffpunktplan verhindert, dass mehrere Personen gleichzeitig losfahren, Kinder doppelt abgeholt werden oder Familienmitglieder stundenlang aneinander vorbeisuchen.
Beginne mit einer einfachen Übersicht: Wo hält sich jede Person an einem normalen Werktag auf? Notiere Schule, Kindergarten, Arbeitsplatz, Pflegeeinrichtung und häufige Wege. Danach legst du für jede Person fest, wer bei einem Netzausfall verantwortlich ist. Der Plan muss konkrete Namen enthalten. „Jemand holt die Kinder“ ist keine Regel. „Maria holt zuerst Luis aus der Schule und danach Ana aus dem Kindergarten“ ist eine klare Aufgabe.
Für Kinder braucht es eine feste Abholkette. Bestimme eine hauptverantwortliche Person, eine erste Ersatzperson und eine zweite Ersatzperson. Alle müssen bei Schule oder Betreuung offiziell als abholberechtigt eingetragen sein und wissen, welcher Ausweis benötigt wird. Kläre direkt mit der Einrichtung, ob Kinder bei einem Strom- oder Netzausfall im Gebäude bleiben, zu einem Sammelplatz gebracht oder nur nach einem bestimmten Verfahren übergeben werden. Der Familienplan darf die Regeln der Schule niemals ersetzen.
Vereinbart drei Treffpunkte. Treffpunkt A liegt direkt beim Zuhause und gilt, wenn das Gebäude sicher erreichbar ist. Treffpunkt B liegt außerhalb des Wohnviertels und wird genutzt, wenn Straßen gesperrt, Häuser evakuiert oder Zufahrten blockiert sind. Treffpunkt C ist eine vertraute Adresse in einem anderen Bezirk oder einer Nachbargemeinde. Jeder Treffpunkt muss eindeutig sein. „Beim Park“ ist zu ungenau; besser ist „beim Haupteingang der Stadtbibliothek unter dem großen Schild“.
Legt außerdem fest, wann der Plan startet. Eine sinnvolle Regel kann lauten: Fällt das Telefonnetz länger aus und ist eine Kontaktaufnahme nach mehreren Versuchen nicht möglich, führt jeder automatisch seine zugewiesene Aufgabe aus. Niemand ändert den Treffpunkt spontan. Wer einen Ort verlassen muss, hinterlässt am vereinbarten sicheren Nachrichtenplatz eine kurze Notiz mit Name, Uhrzeit, Ziel und Begleitpersonen. Hänge solche Angaben nicht offen an die Haustür.
Plant Wege ohne Auto, Ampeln, Aufzüge oder Öffis. Zeichnet Haupt- und Ersatzrouten auf eine Papierkarte. Prüft, welche Strecke auch zu Fuß erreichbar ist und wo Brücken, Tunnel oder stark befahrene Straßen problematisch werden könnten. Menschen mit eingeschränkter Mobilität, ältere Angehörige und Haustiere brauchen eine eigene Zuständigkeit. Sonst werden sie im allgemeinen Familienplan leicht vergessen.
Jede Person sollte eine kleine Notfallkarte bei sich tragen. Darauf stehen die drei Treffpunkte, die Abholreihenfolge, zwei wichtige Kontaktpersonen sowie notwendige medizinische Hinweise. Bei Kindern gehören vollständiger Name, Namen der Erziehungsberechtigten und die erlaubten Abholpersonen darauf. Vermeide unnötige sensible Daten. Die Karte gehört in Schultasche, Geldbörse oder Jacke und muss auch ohne Akku lesbar sein.
Kinder müssen altersgerecht wissen, was sie tun sollen: in der Schule oder Betreuung bleiben, Anweisungen des Personals befolgen und nur mit einer vereinbarten, berechtigten Person mitgehen. Sie dürfen nicht allein zum Familientreffpunkt gehen, sofern dies nicht ausdrücklich für ihr Alter, den Weg und die örtliche Situation geplant wurde. Ein vertrautes Kennwort kann zusätzlich helfen, ersetzt aber niemals die Identitätsprüfung der Einrichtung.
Testet den Plan mindestens zweimal pro Jahr. Geht die Wege ab, prüft Abholberechtigungen und aktualisiert Arbeitsplätze, Telefonnummern und Treffpunkte. Ein guter Treffpunktplan ist nicht kompliziert. Er beantwortet nur vier Fragen eindeutig: Wer holt wen? Wohin geht jede Person? Wann beginnt der Plan? Was passiert, wenn der erste Weg oder Treffpunkt nicht funktioniert?
Ratgeber
Allgemein
18.07.2026
Treffpunkte statt Telefonchaos: So findet deine Familie wieder zusammen
Wenn Handynetz und Internet ausfallen, braucht jede Familie feste Treffpunkte und klare Zuständigkeiten. Dieser Plan regelt, wer die Kinder abholt, wohin alle gehen und was passiert, wenn der erste Weg blockiert ist.