Rumänien erlebt einen Energiealarm, wie es ihn in dieser Form noch nicht gegeben hat. Wegen des extrem niedrigen Wasserstands der Donau wird am Donnerstag, dem 30. Juli 2026, auch Reaktor 2 des Kernkraftwerks Cernavodă kontrolliert heruntergefahren. Reaktor 1 war bereits am Dienstag vom Netz genommen worden. Damit stehen erstmals beide Blöcke gleichzeitig wegen Wassermangels still – und dem rumänischen Stromsystem fehlen auf einen Schlag rund 1.400 Megawatt Leistung.
Die Ursache liegt nicht in einem technischen Defekt im Reaktor, sondern im Fluss vor den Toren des Kraftwerks. Cernavodă nutzt Donauwasser für die Kühlung. Der Durchfluss an der rumänischen Grenze sank auf etwa 1.650 Kubikmeter pro Sekunde. Normal wären im Juli rund 4.750 Kubikmeter. Die Behörden rechnen damit, dass der Wert bis zum 4. August auf ungefähr 1.500 Kubikmeter fallen könnte. Zum Vergleich: Der historische Tiefstwert von 1985 lag bei rund 1.400 Kubikmetern pro Sekunde.
Jeder der beiden Reaktoren liefert etwa 706 Megawatt. Zusammen decken sie normalerweise ungefähr ein Fünftel der rumänischen Stromproduktion. Dass beide Anlagen gleichzeitig wegen Niedrigwassers vom Netz müssen, ist daher mehr als eine ungewöhnliche Betriebsstörung. Es ist ein Belastungstest für das gesamte Energiesystem – mitten in einer europäischen Hitzewelle, in der Klimaanlagen und Kühlgeräte den Verbrauch zusätzlich nach oben treiben.
Rumäniens Energieministerium hatte für diese Woche Spitzenlasten von etwa 7,3 Gigawatt erwartet. Die heimische Erzeugung lag schon vor der Abschaltung des zweiten Reaktors zeitweise nur bei bis zu 4,3 Gigawatt. Die fehlende Leistung muss nun stärker durch andere Kraftwerke, Stromimporte und verfügbare Reserven ausgeglichen werden. Behörden betonen, dass Haushalte und Unternehmen weiterhin sicher versorgt werden sollen. Ein landesweiter Blackout ist derzeit nicht angekündigt, lokale Abschaltungen wurden ebenfalls nicht gemeldet. Dennoch wird die Lage deutlich angespannter, und auch höhere Großhandelspreise gelten als wahrscheinlich.
Der Druck endet nicht an Rumäniens Grenze. Auch das ungarische Kernkraftwerk Paks musste wegen der niedrigen Donau einen seiner vier Reaktoren herunterfahren, nachdem die Leistung weiterer Blöcke bereits reduziert worden war. Die Dürre trifft damit gleichzeitig mehrere wichtige Kraftwerke entlang desselben Flusses. Was wie ein regionales Wasserproblem aussieht, wird plötzlich zu einer europäischen Energiefrage.
Besonders brisant ist die Kombination aus Hitze, Trockenheit und sinkender Stromproduktion. Während die Nachfrage steigt, verlieren Kraftwerke einen Teil ihrer Leistung oder müssen aus Sicherheitsgründen vollständig stoppen. Gleichzeitig können Wasserkraftwerke weniger produzieren, und Stromimporte werden teurer, wenn Nachbarländer mit denselben Problemen kämpfen. Ein einzelner Ausfall lässt sich in einem vernetzten Netz meist ausgleichen. Mehrere gleichzeitige Engpässe können jedoch die Reserven schnell schrumpfen lassen.
Für Rumänien beginnt deshalb ein Wettlauf gegen Wetter und Wasserstand. Die Reaktoren dürfen erst wieder hochgefahren werden, wenn die vorgeschriebenen Kühlbedingungen sicher eingehalten werden können. Bis dahin bleibt das Land stärker von Importen und anderen Erzeugern abhängig. Die kommenden Tage werden zeigen, ob das Netz stabil durch die Hitzewelle kommt – oder ob die historische Trockenheit weitere Notmaßnahmen erzwingt.
Quelle: Reuters, „Low Danube river levels force Romania to shut down both of its nuclear power reactors“, 29. Juli 2026; Associated Press, „Danube River reaches record low water levels during prolonged drought“, 30. Juli 2026; Nuclearelectrica, aktuelle Meldungen zur kontrollierten Abschaltung der Reaktoren in Cernavodă.
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30.07.2026
Donau auf Rekordtief: Rumänien nimmt beide Atomreaktoren vom Netz
Historischer Wassermangel zwingt Rumänien zur Abschaltung beider Reaktoren in Cernavodă. Rund 1.400 Megawatt fehlen – mitten in der Hitzewelle.