Ein längerer Stromausfall kann nicht nur Licht und Kühlung lahmlegen. Fällt gleichzeitig die Wasserversorgung aus oder wird Leitungswasser nur noch eingeschränkt freigegeben, wird die tägliche Körperpflege schnell zur Herausforderung. Das Ziel ist dann nicht die gewohnte Dusche, sondern saubere Hände, geschützte Haut und eine sinnvolle Reihenfolge. Mit einem kleinen Hygienevorrat lässt sich viel Wasser sparen, ohne wichtige Bereiche zu vernachlässigen.
Hände haben immer Vorrang. Wasche sie besonders nach dem Toilettengang, vor dem Zubereiten oder Essen von Lebensmitteln, vor der Versorgung von Wunden und nach Kontakt mit Abfall. Verwende Seife und sicheres Wasser und reibe die Hände mindestens 20 Sekunden. Ein Kanister mit Hahn, eine Quetschflasche oder eine kleine Schöpfkelle verbraucht deutlich weniger als ein laufender Wasserhahn. Ist kein sicheres Wasser verfügbar, kann ein Händedesinfektionsmittel mit mindestens 60 Prozent Alkohol vorübergehend helfen. Es ersetzt das Waschen aber nicht, wenn die Hände sichtbar schmutzig oder fettig sind.
Für die Körperwäsche reichen eine kleine Schüssel, ein Waschlappen und wenig lauwarmes Wasser. Befeuchte den Waschlappen, trage sparsam milde Seife auf und arbeite von den saubereren zu den stärker belasteten Bereichen. Beginne mit Gesicht, Hals und Oberkörper, danach folgen Achseln und Hautfalten. Intimbereich, Gesäß und Füße kommen zuletzt. Verwende dafür möglichst einen zweiten Waschlappen oder zumindest eine andere, saubere Seite. Tauche einen verschmutzten Lappen nicht immer wieder in den gesamten Wasservorrat. Besser ist es, Wasser portionsweise aus einem sauberen Behälter zu entnehmen.
Tägliche Aufmerksamkeit brauchen vor allem Achseln, Leisten, Genitalbereich, Gesäß, Füße und Hautfalten. Diese Stellen sollten nach dem Waschen gut abgetrocknet werden, weil dauerhafte Feuchtigkeit Hautreizungen und Pilzprobleme begünstigen kann. Unterwäsche und Socken sollten möglichst regelmäßig gewechselt und getragenes Material zum Lüften aufgehängt werden. Haare müssen in einer kurzen Notlage nicht täglich gewaschen werden. Bürsten, Zusammenbinden und das Trockenhalten der Kopfhaut reichen meist vorübergehend aus.
Auch beim Zähneputzen lässt sich Wasser sparen. Fülle nur eine kleine Menge sicheren Wassers in einen Becher, feuchte die Bürste an und spüle nicht unnötig lange. Verwende niemals Wasser unbekannter Qualität zum Zähneputzen. Für Babys, kranke Menschen, ältere Personen, offene Hautstellen und die Intimhygiene gelten höhere Anforderungen. Hier sollte besonders sauberes Wasser verwendet und bei behördlichen Warnungen genau deren Anweisung beachtet werden.
Feuchte Reinigungstücher können ergänzen, sind aber kein vollständiger Ersatz für Wasser und Seife. Wähle möglichst unparfümierte Produkte und verwende Desinfektionsmittel nicht großflächig auf Gesicht, Schleimhäuten, Genitalbereich oder verletzter Haut. Menstruationsprodukte müssen mit sauberen Händen gewechselt und entsprechend der Herstellerangaben benutzt werden. Abfälle gehören in einen dicht verschlossenen Beutel, besonders wenn die Toilette oder Müllabfuhr nicht regulär funktioniert.
Lege deshalb vor dem nächsten Stromausfall ein kleines Hygieneset an: milde Seife, zwei Waschlappen pro Person, kleine Handtücher, Zahnbürste und Zahnpasta, Händedesinfektionsmittel, unparfümierte Feuchttücher, Menstruationsprodukte, Müllbeutel sowie zusätzliche Unterwäsche und Socken. Bewahre Trinkwasser und Wasser für die Körperpflege getrennt und eindeutig beschriftet auf. So wird nicht versehentlich wertvolles Trinkwasser verschwendet oder unsicheres Wasser für Mund, Hände oder Wunden benutzt.
Körperhygiene mit wenig Wasser bedeutet nicht, alles gleich gründlich zu reinigen. Entscheidend ist, die gesundheitlich wichtigen Bereiche zuerst zu versorgen, Wasser sauber zu entnehmen und Verunreinigungen nicht weiterzuverteilen. Eine kurze Waschung mit klarer Reihenfolge ist im Blackout sinnvoller als eine improvisierte Ganzkörperwäsche, bei der der gesamte Vorrat unnötig verbraucht wird.
Quellenhinweis: Centers for Disease Control and Prevention, „Guidelines for Personal Hygiene During an Emergency“; World Health Organization, Informationen zu Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene in Notlagen.
Ratgeber
Allgemein
12.07.2026
Waschlappen statt Dusche: Körperhygiene mit wenig Wasser
Wenn bei einem Stromausfall auch die Wasserversorgung stockt, zählt eine klare Reihenfolge. So bleiben Hände, Haut und sensible Bereiche sauber, ohne den Vorrat zu verschwenden.