Malta hat nach einer außergewöhnlichen Hitzewelle erlebt, wie schnell ein modernes Stromnetz an seine Grenzen geraten kann. Am Donnerstag, dem 23. Juli 2026, meldete der staatliche Energieversorger Enemalta, dass Techniker zwei beschädigte unterirdische Kabel zur Versorgung der Hauptstadt Valletta repariert hätten. Damit kehrte dort der Strom zurück. Gleichzeitig arbeiteten Teams weiter an örtlichen Ausfällen in anderen Teilen des Inselstaates.
Hinter der Pannenserie steckt eine gefährliche Mischung aus extremer Hitze, Rekordverbrauch und empfindlicher Infrastruktur. Der Strombedarf erreichte am Dienstag historische 741 Megawatt. Bereits am Vortag waren 713 Megawatt gemessen worden. Zum Vergleich: Während der schweren Hitzewelle von 2023 lag der damalige Rekord bei 663 Megawatt. Temperaturen von mehr als 40 Grad ließen Klimaanlagen, Ventilatoren und Kühlgeräte praktisch ohne Pause laufen. Malta registrierte zudem 43,3 Grad – einen neuen Juli-Rekord.
Für viele Menschen wurde aus einer technischen Störung schnell ein Albtraum. Haushalte saßen stundenlang ohne Ventilator oder Klimaanlage in aufgeheizten Wohnungen. Aufzüge standen still, medizinische Geräte konnten teilweise nur mit Notstrom betrieben werden, und Lebensmittel verdarben in Kühlschränken und Gefriertruhen. Bewohner berichteten, dass sie in gemeinschaftlichen Gängen schliefen oder in klimatisierten Autos Schutz vor der Hitze suchten.
Auch das öffentliche Leben geriet ins Wanken. Der Strom fiel im Büro des Premierministers und in mehreren Ministerien aus. In den Gerichten von Valletta musste sogar ein aufsehenerregender Prozess vorübergehend unterbrochen werden. Restaurants warfen verdorbene Lebensmittel weg, Geschäfte verloren Einnahmen, und elektronische Zahlungssysteme funktionierten teilweise nicht mehr. Für einen dicht besiedelten Inselstaat mitten in der touristischen Hochsaison war das besonders heikel: Hotels, Gastronomie und kleine Betriebe sind auf Kühlung, Klimatisierung und Kartenzahlungen angewiesen.
Selbst der Fußball blieb nicht verschont. Beim UEFA-Conference-League-Spiel zwischen Floriana und Drita im Centenary Stadium von Ta’ Qali ging während der zweiten Halbzeit das Licht aus. Die Versorgung brach mehrmals zusammen, während versucht wurde, einen Generator stabil zum Laufen zu bringen. Nach Angaben des maltesischen Fußballverbandes erschwerte die Hitze auch den Betrieb des Notstromaggregats. Das Spiel konnte zwar beendet werden, doch das Bild eines dunklen Stadions passte erschreckend gut zur Lage im Land.
Enemalta erklärte, die anhaltenden hohen Temperaturen hätten Schäden an Hochspannungs-Erdkabeln begünstigt. Gleichzeitig habe der bisher nie erreichte Verbrauch das Verteilnetz massiv belastet. Modernisierte Netzabschnitte hätten besser funktioniert; die meisten Fehler seien in Gebieten aufgetreten, deren Verstärkung noch aussteht. In Valletta mussten nicht nur zwei Kabel repariert werden. Ein vorübergehend eingesetzter Generator entwickelte ebenfalls Probleme und musste ersetzt werden.
Die Regierung kündigte Entschädigungen für Haushalte und Unternehmen an, die mindestens sechs Stunden ohne Strom waren. Konkrete Informationen zur Antragstellung lagen zunächst nicht vor. Beim früheren Modell erhielten Haushalte je nach Dauer Gutschriften von 60 bis 110 Euro. Unternehmen konnten bis zu 200 Prozent ihres durchschnittlichen monatlichen Stromverbrauchs als Ausgleich erhalten. Ob diese Beträge diesmal unverändert gelten, blieb zunächst offen.
Malta erlebte keinen vollständigen landesweiten Blackout. Die Serie lokaler Ausfälle zeigte jedoch, wie rasch Hitze und Rekordverbrauch wichtige Bereiche gleichzeitig treffen können. Wer in solchen Situationen Licht, geladene Powerbanks, Trinkwasser, einen Plan für Medikamente und eine Strategie für gekühlte Lebensmittel vorbereitet hat, gewinnt wertvolle Zeit. Besonders bei extremer Hitze kann aus einem Stromausfall innerhalb weniger Stunden ein Gesundheits- und Versorgungsproblem werden.
Quelle: Reuters, 22. Juli 2026; Newsbook Malta, 23. Juli 2026; Times of Malta, 22. und 23. Juli 2026.
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24.07.2026
Malta schwitzt im Dunkeln: Rekordhitze treibt das Stromnetz ans Limit
Ausfälle trafen Valletta, Behörden, Gerichte, Geschäfte und sogar ein UEFA-Spiel. Erst nach Kabelreparaturen kehrte der Strom in die Hauptstadt zurück.